2010 - DIE WEISSEN KOMMEN |
| Ein Theaterstück über Afrika. Über uns. |
| Gastspiele: 20.9.-3.10.; 24.-30.11.2010. 8.-15.3.2011 |
| Regie: Elke Schuster, Text: Helma
Fries Über eine Milliarde Menschen sind chronisch unterernährt, so viele wie nie zuvor. Ein Drittel von ihnen lebt in Afrika. Als Ursachen werden in den Medien Korruption, Misswirtschaft und Kriege genannt. Die externen Ursachen Mit unserem Theaterprojekt wollen wir diejenigen Ursachen des Hungers thematisieren, die mit uns zu tun haben, mit Europa. Und da Afrika nicht passives Opfer ist, geht es uns auch um eine bessere Wahrnehmung der aktiven, widerständigen, afrikanischen Zivilgesellschaft. Das Computerspiel Mit dem Thema wollen wir nicht zuletzt junge Erwachsene ansprechen. Also haben wir uns vom Computerspiel inspirieren lassen. Die sind oft Vehikel für die Flucht aus der Realität. Aber unsere Figuren sind nicht Elfen, Druiden oder König Artus, sondern Führungskräfte von Weltfirmen, Kolonisatoren, Sklavenhändler. Zug um Zug erobern sie den Kontinent. Auf ihrer Jagd nach immer größerem Gewinn schrecken sie nicht vor Diebstahl, Raub und Völkermord zurück - alles philanthropisch verbrämt. Die Wende Auf Gorée jedoch, einer kleinen Insel an der Westküste Afrikas, von der aus die Sklaven verschifft werden, kommt es zur Wende. Weil die Spieler eine zentrale Spielregel verletzt haben, sind sie von einem Augenblick zum anderen nicht mehr Weiße, sondern Schwarze; keine Herren, sondern Sklaven. Jetzt würden sie gerne mit dem Spiel aufhören. Aber sie können die virtuelle Welt nicht mehr verlassen. In der schwarzen Haut Von nun an erleben sie den Kontinent aus der Perspektive von unten. Standen ihnen bislang Soldaten, ein König im Mutterland oder internationale Agenturen wie WTO, IWF und Weltbank zur Seite, so leben sie jetzt in den Hütten der Unterdrückten, der Ausgebeuteten, aber auch der Schwarzen, die für Dekolonisierung und ein neues Afrika kämpfen. Kannten sie vorher den Kontinent nur von den Vorstandsetagen aus, vom Flugzeug, vom klimatisierten Hotel oder vom befestigen Fort, so lernen sie jetzt andere Schauplätze kennen: die Kalahari-Wüste in Deutsch-Südwestafrika, die mit Öl verseuchten Mangrovenwälder vor Nigerias Küste; Ruandas mörderische Hügel, die Baumwollfelder in Mali, die Townships in Südafrika, die Krankenstationen in Maputo. Als Gäste in der schwarzen Haut irren sie durch die Jahre und Epochen, zurück in die Gegenwart. Die Erkenntnis Coltan, jenes Erz, aus dem Tantal gewonnen wird, ist einer der Gründe, warum der Krieg im Kongo nicht aufhört. Handelspartner der Kriegsherren sind internationale Markenfirmen. Tantal ist ein Metall, das elektrische Ladungen hervorragend speichert, es befindet sich in jedem Handy, in jedem Computer – und in jeder Spielkonsole, auch in derjenigen, mit der unsere Protagonisten das Spiel gestartet und die virtuelle Welt betreten haben. Coltan ist das Bindeglied zwischen den beiden Welten. Die Spieler waren der Realität, die sie suchten, viel näher, als sie dachten. |